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Präparat 8: Mesenchymales Bindegewebe (Hühnerembryo), H.-E.

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Ektoderm

äußeres der drei embryonalen Keimblätter; als Oberflächenektoderm bildet es den Ausgangspunkt für die Entwicklung der Epidermis. Als Neuroektoderm stellt es die Anlage des Nervensystems dar.

Chorda dorsalis

frühembryonales primitives Stützskelett (Achsenorgan), das die Bildung des Neuralrohres und die Differenzierung des paraxialen Mesoderms induziert und sich bei höheren Wirbeltieren zurückbildet. Die Nuclei pulposi der Zwischenwirbelscheiben und das Lig. apicis dentis gelten als Überbleibsel der Chorda dorsalis beim Erwachsenen.

Mesenchymzellen

spezifische Zellen des embryonalen Bindegewebes; sie sind zytoplasmaarm und verfügen über große, schwach basophile (euchromatische) Zellkerne. Ihre dünne, verzweigten Fortsätze nehmen untereinander Verbindung auf, um ein lockeres Schwammwerk zu bilden, dessen Lücken von einer flüssigen, noch undifferenzierten Interzellularsubstanz gefüllt werden.

Mesenchym

pluripotentes Grundgewebe der Embryonalzeit, von dem sich sämtliche Binde- und Stützgewebe sowie einige andere Gewebe (z.B. Teile der Muskulatur) ableiten. Das Mesenchym selbst stammt aus dem Mesoderm und zu kleinen Teilen aus Ektoderm und Entoderm.

Interzellularraum

In jedem Gewebe bestehende Zellzwischenräume. Die Weite variiert je nach Gewebetyp und Menge der Interzellularsubstanz.

Grundsubstanz

von ortsständigen Bindegewebszellen synthetisierte amorphe, farblose Substanz, welche die Interzellularrräume der Binde- und Stützgewebe ausfüllt. Sie bestimmt weitgehend die mechanischen Eigenschaften des jeweiligen Gewebes. Die Grundsubstanz enthält Proteoglykane, Glykoproteine und interstitielle Flüssigkeit. Proteoglykane sind große Moleküle deren zentraler, fadenförmiger Proteinkern mit unterschiedlich gebauten Glykosaminoglykanketten verbunden ist. Diese Glykosaminoglykane oder saure Mukopolysaccharide bestehen aus unverzweigten Disaccharidketten, repetitiven Einheiten von Aminozuckern und Uronsäuren, die stark negativ geladen sind. Beispiele: Hyaluronsäure (ohne core-Protein), Heparansulfat, Chondroitinsulfat, Dermatansulfat und Keratansulfat. Glykosaminoglykane dienen der Wasserspeicherung und sind wichtig für den Stoffaustausch, Glykoproteine beteiligen sich oft am Aufbau der Basallamina und Glykokalix (Strukturglykoproteine wie Fibronektin, Laminin).

Kollagenfibrillen

nur im Elektronenmikroskop sichtbar, bestehen aus dem fibrillären Strukturprotein Kollagen, lagern sich zu Kollagenfasern zusammen, sind geformte Bestandteile der Extrazellulärmatrix. Sie kommen in Bindegewebe, Sehnen, Faszien, Bändern, Knorpel, Knochen und Zahnbein vor.

Kollagenfasern

lassen sich mit histologischen Routinefärbungen im Lichtmikroskop darstellen. Sie setzen sich aus parallel angeordneten Kollagenfibrillen zusammen, die nur im Elektronenmikroskop erkennbar sind. Vorstufen des Kollagens (Prokollagen) werden von Fibroblasten synthetisiert und über Exozytose sezerniert. Die Bildung der Kollagenfibrillen erfolgt erst extrazellulär durch Abspaltung von Propeptiden und anschließender Quervernetzung. Kollagenfasern sind Bestandteil der Extrazellulärmatrix, ihre Anzahl und Anordnung bestimmt die Beschaffenheit des Bindegebewebes: Straffes Bindegewebe (z. B. in der Sehne) enthält zahlreiche, parallel angeordnete Kollagenfasern. Im lockeren Bindegewebe sind die Kollagenfasern weniger dicht und haben keine Vorzugsrichtung.

Neuralrohr

Vorstufe in der Entwicklung von Rückenmark und Gehirn während der Embryonalzeit. Die erste Anlage des Zentralnervensystems ist die ektodermale Neuralplatte, die sich in der Mittellinie zur beidseitig von Neuralfalten umgebenen Neuralrinne einwölbt. Die Neuralfalten verwachsen unter Bildung des Neuralrohrs miteinander, das unter das Oberflächenektoderm absenkt.

C-Zellen

parafollikuläre Zellen; Calcitonin produzierende Zellen der Glandula thyroidea. Sie liegen einzeln oder in Gruppen zwischen den Follikelepithelzellen (Thyrozyten) oder auch zwischen den Follikeln. Sie befinden sich in den Lappen der Schilddrüse, aber nicht im Isthmusbereich. C-Zellen entstammen der Neuralleiste und sind über den Ultimobranchialkörper in die Schilddrüse eingewandert.

Melanozyten

Aus der Neuralleiste stammende stark verzweigte Zellen, die im Stratum basale der Epidermis liegen und das braun-schwarze Pigment Melanin produzieren. Das Melanin wird in Form von Granula, den Melanosomen, abgegeben und von den benachbarten Keratinozyten per Endozytose aufgenommen und gespeichert. Melanozyten wandern auch von der bindegewebigen Haarpapille in die Haarzwiebel ein, wo sie Melanin an die Matrixzellen abgeben. Der Melaningehalt bestimmt die Haut- und Haarfarbe.

In einem möglichst zellarmen Abschnitt mit weiten interzellulären Räumen unter dem Ektoderm oder in der Nähe der Chorda dorsalis findet man ein dreidimensionales, locker strukturiertes Netzwerk der Mesenchymzellen. Das Mesenchym zeigt also bereits den typischen Aufbau des bindegewebigen Zellverbandes. Die Zellen treten nur mit ihren langen Ausläufern in Kontakt, zwischen den Zellen befinden sich weite Räume. Dieser Interzellularraum enthält nicht färbbare Grundsubstanzen. Geformte Bestandteile, wie aus Kollagenfibrillen zusammengestzte Kollagenfasern kommen nicht vor.

Eingebettet in das mesenchymale Bindegewebe liegt das Neuralrohr mit den benachbarten Neuralleisten; beide Strukturen entstammen dem Ektoderm. Gehirn und Rückenmark, also das zentrale Nervensystem (ZNS), entwickeln sich aus dem Neuralrohr. Aus der Neuralleiste entstehen unter anderem die Spinalganglien und viele weiter Ganglien des peripheren Nervensystem (PNS), die peripheren Glia-Zellen sowie weitere Zellen wie die parafollikulären C-Zellen der Schilddrüse, die Drüsenzellen des Nebennierenmarks und die Melanozyten der Haut.